Eine alte Technik

Das Verfahren der Wachsausschmelzung war im Prinzip schon in vorgeschichtlicher Zeit bekannt. Aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. finden sich Bronzeskulpturen in den Hochkulturen des Vorderen Orients. Mit dieser Technik können plastische Stücke, Portraits, Denkmalkörper und Bildhauerwerke abstrakter und gegenständlicher Kunst gegossen werden. 

Die Herstellung des Wachsmodells

Der Künstler liefert das zu gießende Modell, das aus unterschiedlichen Materialien bestehen kann (Ton, Gips, Holz, Metall). Im ersten Arbeitsschritt wird eine abnehmbare Form hergestellt. Dazu bettet man das Modell in einen Silikonmantel, der von Gipsschalen gestützt wird. Ist der Mantel erhärtet, kann der Gießer das Modell entnehmen. Die negative Silikonform ist das genaue Gegenstück des Originals.
Diese Form wird wieder zusammengesetzt und mit flüssigem Wachs gefüllt. Hat sich durch Erkalten eine mehrere Millimeter starke Schicht gebildet, wird das noch vorhandene flüssige Restwachs aus der Form gegossen. Das jetzt hohle Wachsmodell wird retouschiert, d. h. überarbeitet, bis es exakt dem bildhauerischen Original entspricht. 

Kern und Anschnittsystem

Anschließend werden Stahlstifte durch das Wachsmodell gesteckt, danach gießt man eine keramische Masse innen in die hohle Kernform. Die Stifte fixieren den aushärtenden Kern zu der noch herzustellenden äußeren Keramikform. Damit bleibt der Kern positioniert, auch wenn das Wachsmodell später ausgeschmolzen wird.
Zusätzlich werden Wachskanäle außen an das Wachsmodell gelötet, die später mit ausgeschmolzen werden und ebenfalls Hohlräume hinterlassen. Durch diese kann beim Guss die Metalllegierung von mehreren Stellen aus in alle Winkel der Form fließen, ohne vorher zu erstarren (Anschnittsystem).

Nach dem Zweiten Weltkrieg erweiterte Hans Gerd Rincker die Glockengießerei um eine Kunstgießerei, in der künstlerische Objekte im Sandguss und im keramischen Wachsausschmelzungsverfahren hergestellt werden. Beide Verfahren ähneln in Grundzügen der Glockengießerei. Im Laufe der Zeit haben die Kunstgießer bei Rincker ihr Handwerk immer weiter perfektioniert. Und so entstehen heute in Zusammenarbeit mit Künstlern gegenständliche Bildhauerarbeiten und abstrakte Kunstobjekte. Ob tonnenschwer oder zierlich klein – die modernen Einrichtungen der Kunstgießerei und die Erfahrungen des Kunstgussteams machen (fast) alles möglich.

Die äußere Keramikform

Als nächster Arbeitsschritt folgt die Herstellung der Keramikform. Dafür wird das Wachsmodell mehrfach in keramische Massen getaucht und mit Keramiksand besandet. So entsteht die äußere Kontur der Skulptur, mehrere Millimeter dick.

Der „Guss in die verlorene Form“

Im Brennofen schmilzt das Wachs aus der keramischen Schalenform aus. Diesen Platz füllt beim anschließenden Guss die gewünschte Metalllegierung aus. Nach dem Abkühlen wird die Keramikform zerschlagen, es ist somit eine verlorene Form. 

Die Fertigstellung

Abschließend beginnt die Arbeit des Ziseleurs. Er entfernt das Anschnittsystem sowie Keramikreste und bearbeitet die Oberfläche der Skulptur. Wenn das Modell in mehreren Einzelteilen gegossen wurde, fügt er diese durch Schweißen und Löten zusammen und bearbeitet diese Stellen durch feilen, hämmern, schleifen und treiben, bis sie nicht mehr erkennbar sind. Durch Säuren, Laugen, Feuer und Wasser wird die Skulptur quasi künstlich gealtert und erhält die vom Künstler gewünschte Patina und Optik. Den Abschluss bildet ein Überzug aus einer konservierenden Wachsschicht.