Seit mehr als hundert Jahren versuchen Ingenieure und Techniker die industrielle Herstellung von Gusskörpern auch für Bronzeglocken umzusetzen.
Da in einem solchen Formstoff, schon bedingt durch die überaus schnelle Abbindefähigkeit der Sandmischungen, selbst größte Glocken in längstens einer Arbeitswoche gussfertig gemacht werden können, ist hier eine deutliche Reduzierung der Kosten gegenüber dem Lehmformverfahren erzielbar. Im Vergleich zu getrockneten Lehmmischungen allerdings ist, für den in der Wandstärke sehr dicken Gusskörper Glocke, eine Sandmischung in ihrer Dauerstandfestigkeit nach dem Guss nicht gut geeignet. Bis heute wurden noch keine den Lehm in dieser Beziehung ersetzenden Sandmischungen entwickelt, nicht einmal der sonst eher harmlose und umweltfreundlichere Zementsand erreicht dies.

  • Zementsand: besteht zumeist aus Quarz- oder Olivinsand, sowie bis zu 10% Portlandzement und Wasser. Diese Mischung härtet in wenigen Stunden aus und ist schnellstens ausgießbar.
  • Furanharzgebundene Quarzsande enthalten Furfurylalkohol-Harnstoff-Formaldehyd-Harze, die durch den Zusatz bestimmter hochsaurer Katalysatoren polymerisieren. Wie beim Zementsand, vollzieht sich die Formstoff-Aushärtung ohne Einwirkung von außen, also alleine, die Form ist ebenfalls in wenigen Stunden ausgießbar. Die Toxizität des Harzes und des Härters ist allerdings so hoch, dass dieses Verfahren für dickwandige Gussstücke wie Glocken niemals angewendet werden sollte/darf, außer wenn die entstehenden Gase sofort abgezogen/evakuiert und gefiltert werden. Im Bundesverband Deutscher Gießereien geht man davon aus, dass dieser Formstoff in der EU in wenigen Jahren, besonders wegen seiner hohen Toxizität, zur Lagerung und vor allem zum Guss, eventuell sogar auch für dünnwandige Gussstücke, untersagt werden wird. Zum direkten Abguss für dickwandige Läuteglocken jedenfalls besteht in Deutschland grundsätzlich Genehmigungsbedarf.
  • Wasserglas besteht aus Natriumsilikaten, das sich durch das Vermischen von Quarzsand und Soda bildet. Die Sandmischung wurde durch Begasung von Kohlendioxid zur Aushärtung gebracht, härtete also nicht alleine aus, benötigt dadurch etwas mehr zusätzliche Handarbeit. Da sich hierbei Natriumcarbonat und ein härtendes Kieselsäuregel bildet, ist dies sowohl für die Umwelt, als auch für die Mitarbeitenden ein –vergleichsweise- harmloses, umweltfreundliches Verfahren.
  • Natursande, egal welcher Art und Mischung sind für Herstellung von Glocken technisch leider nicht geeignet, sind aber genauso wenig umweltbelastend wie Lehm.

Egal in welche dieser Sandmischungen gegossen wird, es muss im Sandguss stets mit Nacharbeit, oft gravierender Art durch späteres Ausdrehen gerechnet werden, damit sowohl der bestellte Ton als auch der erwünschte Klang erreicht werden kann. In Fachartikeln zur Glockenkunde beschreiben die „Industriesandglockengießer“ selbst, dass sie mit einer sog. Stimmzugabe von bis zu 10% formen und gießen, damit später aus diesem Industrieteil auf der Drehbank eine klingende Glocke gefertigt wird (Kommentar Hans Gerd Rincker: „Sie gießen einen dicken Eimer und bearbeiten den so lange auf der Drehmaschine, bis der hierdurch, zugegeben sehr präzise erreichte Ton herauskommt. Eine Glocke ohne Seele." Und er fragte weiter: "Ist dies eigentlich noch ein Musikinstrument?“).

In die Reihe der Sandgussverfahren ist auch das sogenannte „Qualitätsorientierte Lehmformverfahren“ einzuordnen. Diese ganz junge, neue Namensgebung ist insofern irreführend, als dass es sich mit Ausnahme vergleichsweise hauchdünner Lehmmischschicht ausschließlich um Sandmischungen handelt in die gegossen wird. Die Nacharbeit ist allerdings nicht so gravierend, wie bei den vorbenannten Verfahren. (Bezeichnend zu dieser Namensgebung ist der Hinweis auf ein eingetragenes Warenzeichen, was sich auf Rückfrage im Europäischen Patentamt in München als unwahr bestätigte!)

Während wir es beim traditionellen Lehm-Schablonen-Formverfahren mit dem mit Abstand umweltfreundlichsten Formverfahren überhaupt zu tun haben, sind alle Sandformverfahren nur durch künstlich-chemische, synthetische Herstellung bereitbar.

 

- Umweltbewusstsein sollte heutzutage nicht rein rhetorisch sein. Kirchengemeinden dürfen sich da keinesfalls ausschließen.