Die Herstellung von guten, klangvollen und „ewig“ haltbaren Glocken, darüber ist sich die wahre Fachwelt uneingeschränkt einig, ist bis heute ausschließlich im traditionellen Lehm-Schablonen-Formverfahren möglich, in einer reinen Kupfer-Zinn-Legierung, der klassischen Glockenbronze.

Besonders im vergangenen Jahrhundert hat es Entwicklungen in viele Richtungen gegeben, die Herstellung der Glocke, die Legierung (so nennt der Gießer die Mischung aus Metallen) bzw. grundsätzlich das Metall, die Art der Aufhängung und des Läutens etc. infrage zu stellen. Da diese Bemühungen nicht fruchteten, zumeist zum Nachteil der finanzierenden Gemeinde waren, werden Glocken heute wieder grundsätzlich genauso hergestellt, gegossen, aufgehängt, wie bereits in der klassischen, über Jahrhunderte bewährten Art.

Glockengießer sind konservativ - zugegeben. Aber gute, innovativ denkende Glockengießer versperren sich nicht gegen sinnvolle Neuerungen. Im Gegenteil. Dort wo Innovationen einsetzbar sind, sind die modernen Gießer die ersten die sie einsetzen, oft selbst entwickeln. Nur mit solcher Flexibilität konnten die wenigen bis heute überleben.

Wir, Firma Rincker, haben bereits kurz vor dem Ersten Weltkrieg eine Kupfer-Silizium-Mangan-Legierung zum Guss von Glocken mit Erfolg entwickelt. Diese erst aus den Augen verloren, dann wiederum nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt, bis kurz nach der Währungsreform 1949. Zu diesem Zeitpunkt allerdings aus Mangel an zuteilungsfähigem Zinn durch die damaligen Besatzer. Insgesamt haben wir in dieser Legierung in dieser Zeit etwa 200 Glocken hergestellt, die unseres Wissens alle noch existieren.
1917 – 1921 entwickelten wir den Guss für Glocken aus Stahl in Wetzlar/Aßlar bei Buderus unter dem Namen Buderus/Rincker, insgesamt knapp 500, einige tun noch heute ihren Dienst (die anschließend unter dem Namen Buderus/Humpert gegossenen Stahlglocken sind ebenfalls von uns konzipiert und geformt, sowie in Wetzlar gegossen).
Da diese Entwicklungen, die immer die Suche nach der besseren Glocke zum Ziel hatten nicht zum Erfolg führten, auch nicht bei Mitbewerbern, haben wir stets weitere Mühen unterlassen und sind immer wieder, auch technische Veränderungen betreffend, zu den Wurzeln zurückgekehrt.

Die Herstellung der Glocke wird in den meisten anderen europäischen Ländern anders durchgeführt als in Deutschland, hauptsächlich aus reinen Kostengründen. Flächendeckend ist Deutschland das einzige Land in dem mehrere Glockengießer (2018 sind es noch 4) existieren und alle ihre Läuteglocken ausschließlich im teureren „traditionellen Lehm-Schablonen-Formverfahren“ herstellen. Wir sind uns in Deutschland einig –alle Glockengießer, sowie alle der guten und erfahrenen Glockensachverständigen- dass die gute, klangvolle, nachweislich viele Jahrhunderte haltbare, gegossene (nicht innen ausgedrehte) Läuteglocke weiterhin grundsätzlich ausschließlich in diesem Qualitätsverfahren hergestellt werden kann. Dies sieht der Bundesverband Deutscher Gießereien (bdg) in Düsseldorf, Dachverband hunderter deutscher Gießereien genau so und hat hierüber eine Richtlinie herausgebracht, die unter folgender pdf als download zur Verfügung steht:
http://www.bdguss.de/fileadmin/content_bdguss/Der_BDG/Richtlinien/F_01.pdf

Sicherlich gelingt nicht jeder Glockenguss in diesem Verfahren. Dies anzunehmen wäre für die handwerkliche Herstellung in einer Manufaktur irreal. Wir traditionellen Gießer wollen aber das bestmögliche Ergebnis gegossen erzielen, und zwar in der Praxis, nicht durch irreführende Legendenrhetorik („Stradivari der Glockengusskunst“, „Qualitätsorientiertes Lehmformverfahren“, etc., letzteres sogar durch illegale Benutzung eines Copyright-Symbols).

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten der Glockenherstellung, die beiden Verfahren stellen wir in den Untermenüs vor:

Es ist das bereits angesprochene

  • Traditionelle Lehm-Schablonen-Formverfahren

sowie verschiedene Herstellungen in Sand:

  • Zementsandverfahren
  • Furanharzsandverfahren
  • Wasserglas gebundener Sand
  • sowie das sogenannte „Qualitätsorientierte Lehmformverfahren“

Lehm-Schablonenformverfahren

Herstellung einer Glocke im Lehm.

Lernen Sie hier Schritt für Schritt, wie eine Glockenform entsteht.

Inschriften/Bildnisse/Verzierung

Verzierung der Glocke.

Sehen Sie hier einen kleinen Teil der unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten. Die Inschriften, Bildnisse und Verzierungen werden in Bienenwachs gegossen, um diese anschließend auf die Glockenformen zu setzen.

Rippe

Das Geheimnis der Rippe.

Die Vielfalt, die Rincker bereits seit den 1970er Jahren an Rippen entwickelt hat, ist in der Fachwelt einmalig. Es ist für uns problemlos möglich, den Ton einer Glocke in mehr als 20 Abstufungen zu gießen.

Furanharz-/Zementsandverfahren

Herstellung einer Glocke im Sand.

Lesen Sie hier alles über das Furanharz-/Zementsandverfahren.